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Key Facts
Paul Mathews von Ecosign ist einer der führenden Skigebiet-Planer.
Die Firma hat eine Schlüsselrolle bei der Weiterentwicklung einiger
Schweizer Skigebiete wie Davos, Zermatt und Flims-Laax-Falera.
Ecosign erarbeitet Machbarkeitsstudien und Masterpläne um Skigebiete
neu zu erstellen oder bestehende weiterzuentwickeln.
Related Sites: Die
geplante Skiregion Hasliberg-Titlis

Paul Mathews analysiert die Pisten rund um Melchsee-Frutt. (swissinfo)
Kanadier gestaltet Schweizer Skigebiete
swissinfo December 18, 2003 8:58 AM
Die Schweizer Skigebiete müssen sich modernisieren,
um im harten Wettbewerb weiter bestehen zu können. Einige vertrauen
auf die Hilfe eines Kanadiers.
swissinfo traf sich mit dem Skigebiet-Designer Paul Mathews
und fragte ihn nach seiner Evaluation der Schweizer Skigebiete nach seinen
Eindrücken.
Mathews und seine Firma, Ecosign, spielten eine Schlüsselrolle
bei der Gestaltung des kanadischen Skiortes Whistler sowie bei vielen
erfolgreichen Skiorten auf der ganzen Welt. Whistler wird die alpinen
Skiveranstaltungen bei den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver
beherbergen.
Ecosign hat Skigebiete in mehr als 20 Ländern
gebaut oder umgestaltet. Die Firma ist unter anderem auch in Russland
am Bau einer Multimilliarden-Dollar-Skiregion in der Nähe von Sochi
beteiligt, wo der russische Präsident Wladimir Putin ein Ferienhaus
besitzt.
Die Skigebiete von Zermatt, Verbier und Davos zählen
zu den Schweizer Kunden von Mathews. Zudem hat er einen Masterplan präsentiert
für die Bildung einer Mega-Skiregion, in der die Region Titlis mit
den Regionen Melchsee-Frutt und Meiringen-Hasliberg verbunden werden
soll.
swissinfo: Wehalb sehen Sie für Schweizer Skigebiete
ein grösseres Wachstumspotenzial als es die Schweizer sehen?
Paul Mathews: Wir Kanadier sind halt viel
optimistischer als die Schweizer. Diese fühlen sich eingeschränkt,
weil das zur Verfügung stehende Land limitiert, der Markt
klein ist - und somit auch das Potenzial. Für mich als Kanadier
ist das Glas halb voll, die Schweizer betrachten es als halb
leer.
swissinfo: Ihre Firma, Ecosign,
ist aktiv beim Bau oder der Weiterentwicklung von
Skigebieten in mehr als 20 Ländern. Wo stufen
Sie die Schweizer Skigebiete auf einer globalen
Skala ein?
P.M.: Ich habe drei Sichtweisen:
Die Berge und die Schneekonditionen sind mehr oder
weniger exzellent hier – Weltklasse. Zweitens: Die Schweizer
sind gute Manager. Was ich aber vermisse, und dies
versuche ich hier einzubringen, ist eine übergreifende
Planung und Organisation.
Sie (die Schweizer) realisieren ihre Sachen in kleinen Schritten. Oft
treten dann auch Koordinationsmängel zu Tage, wenn neue Infrastruktur
zu erstellen ist. Die Lifte führen nie so weit nach oben, dass man
eine Verbindung zum nächsten Lift hat. Oder die Skipiste hat eine
flache Partie, die man durchlaufen muss. Dies ist nicht sehr komfortabel,
wenn man ein Snowboarder oder schlechter Skifahrer ist.
swissinfo: Die Schweizer sind neidisch über
den Erfolg der österreichischen Skigebiete, welche in den vergangen
Jahren schwarze Zahlen schreiben konnten, während die Besucherzahlen
in der Schweiz stagnierten oder sogar zurück gingen. Sind die österreichischen
Skigebiete einfach besser?
P.M.: Die Österreicher sind den Schweizern
zehn Jahre voraus bei der Erkenntnis, was man tun muss, um mit
der Zeit zu gehen. Doch ich finde, es hat in vielen österreichischen
Skiorten zu viele Leute auf den Pisten.
So ersetzen sie zum Beispiel einen Zweier-Bügellift mit einem Zweier-Sessellift,
dann folgen die Dreier-Sessel, dann die Vierer und schliesslich vielleicht
die Achter – und all dies, ohne je die Abfahrten zu verbreitern
oder mehr Pisten zu bauen.
Die Österreicher bewegen sich in Richtung eines industrialisierten
Tourismus. Deshalb bevorzuge ich wohl etwas zwischen den beiden.
swissinfo: Wie schwierig ist es, die Schweizer
davon zu überzeugen, einem Aussenseiter zuzuhören?
P.M.: Zuerst lachten sie über meine Ideen,
wie wenn es sich um eine Art Spass handeln würde. Doch jetzt,
mit den Referenzen von führenden Schweizer Skigebieten,
habe ich viel mehr Glaubwürdigkeit. Heute heisst es: "Das
ist derjenige, der diesen Platz gemacht hat." Mein Ruf eilt
mir nun voraus.
swissinfo: Mit welchen Methoden analysieren
Sie die Gebiete?
P.M.: Wir verlassen uns stark
auf technische Hilfsmittel. Wir benutzen topografische
Karten, um Computermodelle zu machen, und wir haben
spezielle und exakte Tests für Exposition und
Neigung, Lawinenrisiko und Windrichtung.
Wir messen auch die bestehende Infrastruktur um zu sehen, wie ausgewogen
sie ist: Die Restaurant-Kapazität sollte der Sessellift-Kapazität
entsprechen, diese sollte zur Anzahl Betten passen, die wiederum mit
der Zahl der Skipisten oder Parkplätzen in Einklang stehen sollte.
Alles sollte zusammenspielen, doch das tut es selten. Jede allzu grosse
Investition in den einen oder andern Bereich ist mehr oder weniger vergeudet.
swissinfo: Die Schweiz hat viele asiatische und
amerikanische Besucher im Sommer, doch wenige im Winter. Weshalb?
P.M.: Schlecht geplante Investitionen sind
teuer und es ist unvermeidlich, die Kosten auf die Konsumenten überzuwälzen.
Japanische Skifahrer können in Whistler, Kanada, für
etwa 1200 Franken eine Woche Ferien machen. Es würde sie
drei Mal mehr kosten, in die Schweiz zu kommen.
swissinfo: Sie entwerfen jeweils
einen Masterplan für ein Gebiet. Dieses soll während
eines Zeitraums von 20 Jahren solid wachsen. Doch welche
Art von Ski-Industrie wird es in 20 Jahren noch geben,
wenn sich die Voraussagen von wärmeren Wintern
wegen der Klimaerwärmung bewahrheiten?
P.M.: Meine Meinung ist: Es wird
in den Alpen oberhalb von 1400, 1600 Metern zum
Skilaufen sicher sein. Das Problem ist, dass viele
kleine Kinder in tiefer gelegeneren Gebieten näher
bei ihrem Wohnort Skifahren lernen.
Und das wird eine Herausforderung sein, wenn diese Orte "verschwinden".
Dazu kommt: Wenn in Städten wie Luzern, Zürich oder Bern kein
Schnee mehr fällt, werden die Leute die Lust verlieren, in die Berge
Ski fahren zu gehen. Das beunruhigt mich mehr als der Verlust von kleinen,
tief gelegenen Skigebieten.
swissinfo-Interview, Dale Bechtel
(Übertragung aus dem Englischen: Etienne Strebel)
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