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12.02.2005
Das Skifahren in Europa wird umgestaltet
Es gibt kaum Dinge, die europäischer sind als
Skifahren. Alpines Skifahren hatte seine Anfänge vor einem Jahrhundert
in den Alpen. Heute werden diese traditionellen Gebirgsferienziele jedoch
von einem Mann aus der Neuen Welt umgestaltet.
Die ursprünglichen Skiorte Davos, Kitzbühl,
Zermatt und Cortina d’Ampezzo sind heute alle sowohl moderne als
auch an Tradition gebundene Skigebiete. Mehrere Skigebietsgesellschaften
wenden sich an einen Mann aus Kanada, der imstande ist, die Pisten sicherer,
interessanter und umweltfreundlicher zu gestalten.
Paul Mathews kommt zwar von jenseits des Atlantiks,
aber er kennt die Alpen als wäre er in ihnen aufgewachsen.
“Ich bin mit den Alpen mehr vertraut als manch
Einheimischer”, sagt er.
Mathews ist in seinem Element wenn er an einem bitterkalten
Tag im Schweizer Skigebiet Laax Ski fahren kann. Nach einem heftigen
Schneesturm in der Nacht, scheint die Sonne und die Verhältnisse
sind ideal. Während er wie ein Rennfahrer die Abfahrten hinunter
jagt, analysiert er die Bedingungen, das Landschaftsbild und die Auslegung
der Abfahrten. Er ist einer der wenigen, die entdeckt haben wie man Arbeit
mit Vergnügen verbinden kann.
Neue Welt Fachkenntnisse
Er gründete seine Firma, Ecosign, vor 30 Jahren
und erarbeitete Masterpläne für ungefähr 200 Gebirgsferienziele
in 25 verschiedenen Ländern und auf fünf Kontinenten. Das Hauptinteresse
in Europa galt der Lifterneuerung und der Umgestaltung traditioneller
Gebirtgsorte. Ende der achtziger Jahre wurde er von den Schweizern nach
Europa eingeladen mit der Hoffnung, dass seine Fachkenntnisse, denen
der Masterplan für das renommierte Kanadische Skigebiet Whistler
zugrunde lag, ihnen zu Gute kommen könnten.
Zu Anfang herrschte darüber etwas Unmut, sagte
er.
“Ich erhielt etliche individuelle Kommentare,
insbesondere von Verwaltungsräten, die lachend meinten, ‘wir
würden Sie in Betracht ziehen, falls Sie uns einen Golfplatz entwerfen,
aber zur Skigebietsplanung wird ein Kanadier nicht benötigt’”.
Bald darauf waren sie jedoch von Mathews‘ Fachkönnen überzeugt.
Anstatt sich auf die herkömmliche Weisheit der landbesitzenden Bauern
aus der jeweiligen Region zu verlassen, die seit Jahrzehnten das letzte
Wort bei der Planung von alpinen Ferienzielen hatten, basiert Mathews
seine Empfehlungen auf Computermodellen.
Seine Firma bestimmt mit Hilfe von Computeranalysen
die Sonneneinwirkung und das Lawinenrisiko und stellt Statistiken zusammen,
die als Grundlage dienen für ein benutzer- und umweltfreundliches
Feriengebiet.
“Ich werde ganz besessen, wenn es um die Lösung
eines Problems geht, wie z.B. eine umweltschonende Geländeerschließung
und die Lösung von kleinen Schikanen in Gebirgsferienzielen wie
z.B. Treppen, vereiste Abfahrten, Gehwege, Parkplätze, Verkehrsstauungen,” sagte
er.
Heute fährt Mathews mit René Hirzel von
der Laaxer Seilbahngesellschaft Ski. Sie fahren in den Bäumen im
Tiefschnee, außerhalb der Piste. Hirzel möchte Näheres über
Mathews Idee wissen, eine neue Abfahrt durch diese Bäume zu bauen.
“Er ist überall, in Japan, in Kanada, in
den Vereinigten Staaten und er ist in Europa,”sagt Hirzel. “Er
spricht auch mit Leuten wie mit mir und bekommt so manche seiner Ideen.”
Tradition als Grundlage
Eines der bekanntesten Projekte von Mathews ist die
Umgestaltung des Kanadischen Skigebietes Whistler. Traditionelle Schweizer
Bergdörfer inspirierten das Design, wobei Mathews jedoch nicht lediglich
das Original nachahmen, sondern es verbessern wollte.
Die Schweizer Ortschaften bestanden lange vor der Erschließung
anliegender Skigebiete. Deshalb befinden sich die Lifte im Allgemeinen
oberhalb der Ortschaft, was zu Problemen mit der Zufahrt, Beförderung
und dem Parken führen kann.
“Wir haben die Lifte in die Skigebiete eingefügt,
bauten Tiefgaragen und Fußgängerzonen, die direkt zu den Abfahrten
führen,” sagte er. “Meine gesamte Planung in Europa
besteht heute darin, die Lifte zurück ins Zentrum zu bringen und
die Ortschaften fahrzeuglos zu gestalten.
Anschließend an die Besprechungen in Laax, fliegt
Mathews in die Pyrenäen und danach nach Libanon, wo er sich Pläne
für ein neues Skigebiet anschauen wird. Die nächste Reise führt
ihn nach Moskau zur Ankündigung eines neuen Milliarden Dollar Skigebietes
im Kaukasus. Obwohl einige Olympische Winterspiele und Alpine Weltmeisterschaften
Mathews‘ Handschrift tragen, sagte er jedoch, dass das Projekt
Krasnaya Polyana bis jetzt das Interessanteste sein könnte.
Kaukasus, der nächste Hot Spot zum Skifahren?
Trotz der regionalen Sicherheitssituation, weist der
Kaukasus ein hohes Potential für die Erschließung des Skitourismus
auf. Planungsfirmen beschäftigen sich intensiv mit der Erschließung
dieses unberührten Gebietes und dem Bau von Gebirgsferienzielen.
Die Berge im Kaukasus erstrecken sich über ein Gebiet vergleichbar
mit der Entfernung von Nizza nach Wien. Die Berge sind höher und
der Schneefall ist reichhaltiger.
“Ich glaube, dass der Kaukasus ein bedeutendes
Skizentrum wird,” sagte Mathews. “Es ist eines der letzten
Grenzländer, das sich zur Feriengebietserschließung eignet
und die Berglandschaft ist schlechthin atemberaubend schön..”
Das Projekt wird vom Russischen Präsidenten Vladimir
Putin, ein begeisteter Skifahrer, unterstützt. Er lud Mathews einst
zum Heliskifahren ein, um ihm damit einen besseren Eindruck des gesamten
Gebietes zu vermittlen.
“Wenigstens fühlte ich mich in den Hubschraubern
sicher,” lachte er. “Sie können sich vorstellen, dass
sich die Grundstückspreise verdoppelt haben und ich würde sagen,
dass diese Leute das Potential dieser Gegend wahrnehmen.
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